Barrierefreie Website Checkliste: 10 Punkte für WCAG-Konformität 2026

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Willkommen zu deiner detaillierten Roadmap für eine zugängliche digitale Zukunft. Mit der wachsenden Bedeutung digitaler Kanäle und den geltenden gesetzlichen Anforderungen des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes (BFSG) ist eine barrierefreie Website kein optionales Extra mehr, sondern eine strategische Notwendigkeit. Sie sichert nicht nur rechtliche Konformität, sondern erschließt auch neue Zielgruppen, verbessert die User Experience (UX) für alle und stärkt nachweislich deine SEO-Performance.

Diese umfassende barrierefreie Website Checkliste ist dein praxisorientierter Leitfaden, um deine digitale Präsenz WCAG 2.1 AA-konform zu gestalten. Anstatt abstrakter Theorie liefern wir dir direkt umsetzbare Anleitungen für die häufigsten Herausforderungen – von der korrekten Farbgestaltung bis zur Zugänglichkeit komplexer Formulare.

Jeder Punkt ist mit konkreten Umsetzungstipps versehen, damit du strukturiert und effizient vorgehen kannst. Du erfährst, wie du die Kompatibilität mit Screenreadern sicherstellst, eine lückenlose Tastaturnavigation implementierst und Multimedia-Inhalte für jeden zugänglich machst. Ob du einen Relaunch planst, eine bestehende Seite optimierst oder von Grund auf neu entwickelst – dieser Leitfaden gibt dir die Werkzeuge an die Hand, um digitale Barrieren abzubauen.

1. WCAG 2.1 Level AA Compliance & Continuous Testing

Die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.1 auf Konformitätsstufe AA bilden den international anerkannten Goldstandard für digitale Barrierefreiheit. Sie stellen sicher, dass Webinhalte für alle Nutzer wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und robust sind. Das Erreichen dieses Standards ist kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Prozess.

Warum ist das der erste Punkt?WCAG 2.1 AA ist nicht nur eine Empfehlung, sondern durch das BFSG für viele Unternehmen in Deutschland inzwischen Pflicht. Konformität sichert dich rechtlich ab und öffnet deine Website für einen größeren Nutzerkreis.

Umsetzungsstrategien:

  • Shift-Left-Ansatz: Integriere Tests bereits in der Design- und Entwicklungsphase (z. B. mit Tools wie Axe oder Pa11y in der CI/CD-Pipeline).
  • Regelmäßige Audits: Plane mindestens vierteljährliche Audits durch Experten, die automatisierte Scans mit manuellen Tests kombinieren.
  • Nutzer einbeziehen: Führe Usability-Tests mit Menschen mit Behinderungen durch, um reale Hürden zu finden.
  • Definition of Done: Verankere Barrierefreiheit fest in deinen Projektvorgaben.

2. Color Contrast und Farbkombinationen

Ein ausreichender Farbkontrast stellt sicher, dass Texte und interaktive Elemente für alle Nutzer klar erkennbar sind. Das ist essenziell für Menschen mit Sehschwächen oder Farbenfehlsichtigkeit, aber auch hilfreich bei starkem Sonnenlicht auf dem Display.

Die Regeln:Die WCAG fordern ein Kontrastverhältnis von mindestens 4.5:1 für normalen Text und 3:1 für großen Text sowie grafische Elemente (z. B. Icons).

Umsetzungsstrategien:

  • Frühe Prüfung: Nutze Tools wie den WebAIM Contrast Checker schon in der Designphase.
  • Graustufen-Test: Überprüfe Designs in Schwarz-Weiß. Funktioniert die Hierarchie auch ohne Farbe?
  • Alle Zustände checken: Achte auf den Kontrast bei Hover-, Fokus- und Aktiv-Zuständen von Buttons und Links.

3. Keyboard Navigation und Focus Management

Eine vollständige Tastaturbedienbarkeit ist die Grundlage für Nutzer, die keine Maus verwenden können (z. B. bei motorischen Einschränkungen). Eine logische Tab-Reihenfolge und ein sichtbarer Fokus sind hier entscheidend.

Umsetzungsstrategien:

  • Logische Reihenfolge: Die Tab-Reihenfolge muss der visuellen Leserichtung folgen (links nach rechts, oben nach unten).
  • "Skip Links": Biete einen Link an, um die Navigation zu überspringen und direkt zum Inhalt zu springen.
  • Sichtbarer Fokus: Entferne niemals den Fokus-Rahmen (outline: none), ohne einen sichtbaren Ersatz zu schaffen.
  • Selbsttest: Versuche, deine Seite nur mit der Tab-, Enter- und Leertaste zu bedienen.

4. Screenreader-Kompatibilität und semantisches HTML

Screenreader wandeln Text in Sprache um. Semantisches HTML bildet das Gerüst, damit diese Tools die Seite verstehen und Nutzer effizient navigieren können.

Umsetzungsstrategien:

  • HTML vor ARIA: Nutze native HTML-Elemente (<button>, <nav>, <header>) statt <div>-Wüsten.
  • Landmarks: Definiere Bereiche wie Header, Main und Footer klar.
  • Aussagekräftige Links: Vermeide „Hier klicken“. Der Linktext muss sagen, wohin er führt (z. B. „Mehr über unsere Services“).

5. Mobile und Responsive Accessibility

Da mobile Nutzung dominiert, muss Barrierefreiheit auch auf dem Smartphone funktionieren.

Umsetzungsstrategien:

  • Touch-Ziele: Buttons sollten mindestens 48x48 Pixel groß sein (inkl. Abstand), damit man sie gut trifft.
  • Zoom erlauben: Deaktiviere niemals das Zoomen (user-scalable=no). Nutzer müssen Inhalte vergrößern können.
  • Geräte-Tests: Teste auf echten Smartphones, nicht nur in der Browser-Simulation.

6. Formular-Accessibility und Error Handling

Formulare sind oft die größte Hürde. Barrierefreiheit bedeutet hier: Jeder kann Daten eingeben, Fehler verstehen und korrigieren.

Umsetzungsstrategien:

  • Labels: Jedes Feld braucht eine klare Beschriftung (Label), die programmatisch mit dem Feld verknüpft ist.
  • Fehlermeldungen: Zeige Fehler im Klartext an und verknüpfe sie mit dem Feld.
  • Pflichtfelder: Markiere diese nicht nur mit einem Sternchen, sondern auch im Code (aria-required).

7. Alternativtext (Alt-Text) für Bilder

Alt-Texte beschreiben Bilder für Blinde.

Umsetzungsstrategien:

  • Funktion vor Aussehen: Beschreibe, was das Bild aussagt oder tut.
  • Präzise: Halte dich kurz (unter 125 Zeichen).
  • Dekorative Bilder: Bilder ohne Info-Wert bekommen ein leeres Alt-Attribut (alt=""), damit Screenreader sie ignorieren.

8. Headings, Struktur und Information Architecture

Überschriften sind das Inhaltsverzeichnis deiner Seite.

Umsetzungsstrategien:

  • Hierarchie: Nutze <h1> bis <h6> in korrekter Reihenfolge. Überspringe keine Ebenen (z. B. von H2 direkt auf H4).
  • Nur eine H1: Jede Seite sollte genau eine Hauptüberschrift (<h1>) haben.

9. Video- und Audio-Inhalte mit Untertiteln

Mache Multimedia für Gehörlose und Schwerhörige zugänglich.

Umsetzungsstrategien:

  • Untertitel: Biete synchronisierte Untertitel (Captions) für alle Videos an.
  • Transkripte: Stelle für Audioinhalte (Podcasts) Textversionen bereit.
  • Keine Autoplay-Musik: Audio sollte niemals automatisch starten.

10. Barrierefreiheit in interaktiven Komponenten

Modals, Slider oder Dropdowns sind oft Stolpersteine.

Umsetzungsstrategien:

  • ARIA Patterns: Nutze bewährte Muster für komplexe Elemente.
  • Fokus-Falle: Bei einem Modal-Fenster muss der Tastatur-Fokus im Fenster bleiben, bis es geschlossen wird.
  • Live-Regions: Kündige dynamische Änderungen (z. B. "Warenkorb aktualisiert") für Screenreader an.
10-Punkte-Vergleich: Barrierefreie Website-Checkliste
Thema Implementierungs­komplexität Ressourcenbedarf Erwartete Ergebnisse Ideale Einsatzfälle Hauptvorteile
WCAG 2.1 Level AA Compliance & Continuous Testing Hoch – initiale Umsetzung + kontinuierliche Tests Accessibility-Expert:innen, Testtools, CI/CD, Budget für Audits Gesetzeskonformität, reduzierte Rechtsrisiken, bessere UX Öffentliche Stellen, Healthcare, Finanzen, große Websites Langfristige Barrierefreiheit, erweiterte Zielgruppe, SEO-Vorteile
Color Contrast und Farbkombinationen Niedrig–Mittel – Designanpassungen erforderlich Designer, Kontrast-Checker-Tools, Zeit für Style-Änderungen Bessere Lesbarkeit, reduzierte Sehbarrieren, höhere Konversion E‑Commerce, Conversion-seitige Seiten, Informationsseiten Verbesserte Lesbarkeit, geringere Augenbelastung, konsistente Marke
Keyboard Navigation und Focus Management Mittel–Hoch – Tabreihenfolge und Fokussteuerung Entwicklerwissen, Tastaturtests, QA-Aufwand Volle Bedienbarkeit ohne Maus, effizientere Navigation B2B-Apps, Dashboards, Portale mit komplexen Interaktionen Zugang für motorisch eingeschränkte Nutzer, bessere Usability
Screenreader Compatibility und Semantic HTML Mittel – semantische Auszeichnung und korrekte ARIA Entwickler:innen, Content-Review, Screenreader-Tests Verständliche Struktur für Screenreader, SEO-Verbesserung Content-lastige Seiten, Shops, dynamische Portale Zugänglichkeit für Blinde/Niedrigsehende, robustere Seite
Mobile und Responsive Accessibility Mittel–Hoch – Touch, Zoom, responsive Tests Mobile Geräte, mobile Screenreader, Entwickler- und Testzeit Funktionalität auf Mobilgeräten, reduzierte Touch-Fehler Mobile-first Apps, Mobile Checkout, Termine/Services Erreicht mobile Nutzer, bessere Bedienung bei Tremor/Arthritis
Formular-Accessibility und Error Handling Mittel – Labels, Fehlerzuweisung, ARIA Entwickler, UX-Text, QA, Usability-Tests Niedrigere Abbruchraten, klarere Fehlerbehebung, höhere Conversion Anmelde-/Zahlungsformulare, Bewerbungen, Patientenformulare Höhere Abschlussraten, geringere Frustration, barrierefreie Validierung
Alternative Text (Alt-Text) für Bilder Niedrig–Mittel – Texte erstellen und pflegen Content-Autor:innen, Redaktionsrichtlinien, Review Screenreader-Zugänglichkeit, bessere SEO, nutzerfreundliche Info Produktbilder, medizinische Abbildungen, Infografiken Zugängliche Bildinformationen, SEO, bessere Offline-Nutzung
Headings, Struktur und Information Architecture Niedrig – Inhaltliche Organisation Redakteur:innen, Struktur-Checks, Tools (WAVE/Axe) Schnellere Orientierung, bessere Verständlichkeit, SEO Langform-Content, Dokumentation, Wissensdatenbanken Einfachere Navigation, geringere kognitive Belastung, SEO
Video- und Audio-Inhalte mit Untertiteln Mittel – Captions, Transkripte, Player-Anpassung Captioning-Services, Zeit/Kosten, QA, Player-Testing Barrierefreier Zugriff, bessere Reichweite, Suchbarkeit Schulungsvideos, Webinare, Marketing- und Produktvideos Zugang für Gehörlose, SEO durch Text, Nutzung ohne Ton
Barrierefreiheit in interaktiven Komponenten und JavaScript Hoch – ARIA, Fokusmanagement, Live-Regions Senior-Entwicklung, Accessibility-Expertise, umfangreiche Tests Interaktive, zugängliche Komponenten, konsistente UX SPA, komplexe UI-Komponenten, SaaS-Produkte Moderne UX für alle Nutzer, verbesserte Interaktion, Kompatibilität mit Hilfstechnologien

Von der Checkliste zur gelebten Praxis: So wird Barrierefreiheit zum Teil deiner DNA

Du hast dich nun durch die wesentlichen Prüfpunkte gearbeitet. Doch der wahre Erfolg liegt nicht im bloßen Abhaken dieser Punkte. Er beginnt, wenn diese Checkliste von einem statischen Dokument zu einem lebendigen Teil deiner Unternehmenskultur wird.

Vom Wissen zum Handeln: Deine nächsten Schritte

  1. Bestandsaufnahme (Audit): Checke deine Seite mit Tools wie WAVE oder axe DevTools.
  2. Prioritäten setzen: Fixe zuerst die „Blocker“ (z. B. Tastaturfallen).
  3. Prozesse integrieren: Schule dein Team – Design, Dev und Content müssen an einem Strang ziehen.
  4. Feedback einholen: Lass echte Nutzer testen.

Mehr als nur Konformität

Die Umsetzung dieser Checkliste ist weit mehr als die Erfüllung des BFSG. Es ist eine Investition in die Zukunft. Du erreichst rund 10 Millionen Menschen mit Behinderungen in Deutschland und verbesserst die UX für alle. Mach den Schritt und verwandle diese Punkte in einen Standard, der deine Marke stärkt.

BFSG-konform & zukunftssicher – Wir machen das für dich.
Wir bringen deine digitale Präsenz auf den aktuellen Stand.
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